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20. Januar 2020

#59
Veränderungen und Enttäuschungen

von Claire Gonzales

20. Januar 2020
Lesedauer: 3 Minuten
Von Claire Gonzales


Veränderungen und Enttäuschungen

Manchmal sehnt man sie sich herbei und manchmal fürchtet man sie – Veränderungen.
Ich habe mir schon länger gewünscht, innerhalb unserer Stadt, umzuziehen. Mehr Platz, ein Kinderzimmer einrichten, radikales Ausmisten, minimalistischer leben, Farben für die Wände raussuchen, eventuell einen Balkon und sogar eine Badewanne zu haben.

Von mehreren Leuten bekam ich den Tipp, Gott ganz konkret zu bitten und Wünsche zu formulieren, was ich mir denn für eine Wohnung wünsche. Das klang so gut, dass ich das auch machte und natürlich auch erwartete, dass Gott meine sehr konkreten Wünsche doch bitte erfüllen soll. Ich erwartete, in eine Wohnung zu kommen und sofort zu wissen: Ja, das ist die perfekte Wohnung, hier werden wir leben.

Dieses Gefühl hatte ich dann sogar auch bei einer Wohnung, Sascha und ich waren uns darin auch einig. Doch der Eigentümer meldete sich auch nach mehreren Wochen des Wartens nicht auf unsere Bewerbung zurück. Weil wir so lange auf diese eine perfekte Wohnung gewartet hatten, blieb nun nicht mehr ganz so viel Zeit und wir schauten noch ein paar Wohnungen an und bewarben uns für einige.
Letztenendes lief es einfach anders als ich gedacht hätte. Wir haben zwar eine schöne Wohnung gefunden, doch sie erfüllt tatsächlich kaum eines meiner konkreten Wünsche und Erwartungen und sie ist ganz anders, als ich sie mir gedacht hätte. Trotzdem freue ich mich mittlerweile sehr sie zu beziehen, weil Gott mein Herz in diesem Hinblick innerhalb kürzester Zeit so sehr verändert hat.

Was mir durch die Enttäuschung half, war ein prophetisches Bild, das eine Freundin vor einigen Wochen mal für mich bekommen hatte. Sie sah wie ich einige Wünsche auf einen Zettel schrieb und diesen mit einem Ballon in den Himmel steigen ließ. Auf dem Weg hoch zerplatzte er jedoch und der Zettel fiel mir wieder vor die Füße. Traurig und voller Enttäuschung hob ich ihn auf und bemerkte, dass es nicht mehr meine ursprüngliche Wunschliste war, sondern ein Liebesbrief von Gott.

Was das für mich bedeutet, ist, dass ich mich entscheide in der Enttäuschung über Gottes scheinbare Ignoranz, bzw. Nichterfüllung meiner Wünsche, mich nicht weg von ihm zu bewegen, sondern – im Gegenteil – zu ihm hin. Ich suche mehr denn je seine Nähe, Intimität, Gespräche mit ihm. Ich möchte diesen Liebesbrief lieber, als die Erfüllung all meiner Wünsche. Es bleibt trotzdem schmerzhaft, diese Wünsche loszulassen. Ich bin auch nur ein Mensch. Aber ich sehne mich so sehr nach Erfüllung von Ihm direkt, statt nach Erfüllung durch materielle, irdische Dinge wie eine perfekte Wohnung, finanzielle Sicherheit, irgendwelche tollen Sachen.

Als ich Gott anklagte und schimpfte, dass er mich so enttäuscht hat, spürte ich, wie er ganz sanft antwortete: "Endlich redest du mal wieder mit mir. Ich habe dich vermisst." Das traf mich echt tief, weil ich merkte, dass es okay ist auch mal wütend, enttäuscht, bitterlich sauer auf Gott zu sein. Er hält es aus, er begrüßt es, glaube ich, sogar, denn wenn wir mit all dem kommen, sind wir echt, unverfälscht, wir fühlen, Tränen im Gesicht, lebendig, Herzklopfen, schmerz, menschlich sein, zerbrechlich sein.. So hat er uns geschaffen und so dürfen wir kommen, so sollen wir kommen. In seine Arme.

Gütig und aufrichtig ist der Herr. Deshalb zeigt er Menschen, die sich von ihm abgewandt haben, den rechten Weg. – Psalm 25, 8 (NGÜ)