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22. Januar 2020

#133
Das Leben schreibt Erinnerungen

von Sascha Gonzales

22. Januar 2020
Lesedauer: 4 Minuten
Von Sascha Gonzales


Das Leben schreibt Erinnerungen

Willkommen zur Last-Minute-Edition von Ströme lebendigen Wassers. Heute an diesem sonnigen Mittwoch explodiert mein Kopf –– wir ziehen am Freitag um und ich schreibe diese Ausgabe gefühlte 2 Minuten vor meiner eigenen Deadline in Mitten von Kartons und bevorstehender Arbeit. Mittendrin in Erinnerungen und im Abschiednehmen.

Es ist eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal meinen Wortort gewechselt habe und ich hätte schwören können, es war damals im Jahr 2014 viel einfacher und entspannter. Oder erinnere ich mich einfach nur falsch?
Meine Gedanken sind heute jedenfalls verstreut und trotzdem hoffe ich, dass sich das Lesen dieser Ausgabe für euch lohnt.

In Anlehnung an eine meiner liebsten Kolumnen Innerer Umzug von Raphael und Ramona habe ich dieser Ausgabe bewusst den Titel Äußerer Umzug gegeben. Denn manchmal kommt im Leben die Zeit, in der man eine Veränderung braucht. Sei es ein neuer Job, ein neues Auto, ein neues Handy oder eben eine neue Wohnung. So auch bei uns.
Unsere Tochter wächst, möchte ein eigenes Zimmer und wir einfach mal wieder eine Veränderung.

Ich bin mir nicht sicher, ob es euch auch so geht, aber manchmal muss man im Leben einfach etwas verändern. Und selbst die Bibel gibt uns einen Hinweis darauf, dass es einen Zeitpunkt im Leben gibt, an dem wir etwas Neues brauchen:

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. – Epheser 4, 22-24 (Lutherbibel)

Ich gebe zu, ein neuer Mensch durch Jesus zu werden ist etwas krasser als die Wohnung zu wechseln, aber irgendwie spielt doch auch vieles vom neuen Menschen in den Gedanken einer neuen Wohnung. So vieles im Leben dreht sich doch um diesen Ort, den wir unser Zuhause nennen. Ein Ort an dem so viel intensive und prägende Zeit verbracht wird. Und in dieser Wohnung hier, in der ich gerade noch sitze, ist schon so viel passiert – ähnlich viel wie in dem alten Menschen, dem ich vor Jahren lebe wohl gesagt habe.
Ich erinnere mich noch daran, wie ich 2014 in diese Wohnung zog, damals noch ohne Claire. Wie sie dann 2015 hier einzog und alles hübsch machte, wie wir unsere Tochter das erste Mal mit in unsere Wohnung nahmen. Wie sie ihre ersten Schritte auf dem Laminat machte, wie nach und nach Möbel die Zimmer wohnlicher machten, wie wir im Bad über unsere Fehlgeburt weinten, uns stritten, manchmal das Geld knapp war oder ich meine eigenen Ambitionen mit der Musik endgültig an den sprichwörtlichen Nagel hing. Und genau wie mein alter Mensch zurückblieb, so bleibt nun auch diese Wohnung zurück. Als Erinnerung und als Teil meines Lebens.

Es fällt mir schwer abzustreiten, dass ich gerade während des Schreibens ein paar Tränen im Augenwinkel verspüre und mich das Gefühl von Abschied und Erinnerungen übermannt. Und irgendwie bin ich auch von meinem eigentlichen roten Faden abgekommen, aber so ist das manchmal.

Ich freue mich auf die neue Wohnung und die neue Seite im Buch meines Lebens. Ein neues Kapitel.