Menü

06. November 2019

#125
Auch wenn man mal keinen Bock hat..

von Sascha Gonzales

06. November 2019
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Auch wenn man mal keinen Bock hat..

Vergangenes Wochenende durfte ich Teil des Zukunftsforums der Evangelischen Allianz sein und ich könnte meine Kolumne diese Woche auch genau mit diesem Thema füllen, doch das liegt mir gar nicht auf dem Herzen. Trotzdem sei erwähnt, dass ich die 3 Tage wirklich unfassbar genossen habe.

Auf dem Weg nach Hannover fühlte ich mich alles andere als erfreut. Ich wollte eigentlich gar nicht dort hin. Über 150 junge und ältere Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen oder gesprochen hatte, 2 Nächte in einer mittlerweile fremden Stadt, ein Programm, was voll und teilweise, von außen betrachtet, öde erschien und noch so viele Gründe mehr, die alle in mir schrien: "Bleib doch zuhause!" – "Merkt doch keiner!" – Aber doch, Gott merkt es. Er wollte mich nämlich dort sehen, da war ich mir sicher. Und trotz aller Unlust und allen Ängsten, musste ich dort hin.

Die Tage und Stunden vergingen und es war, wie ich schon erwähnte, unglaublich gut. Ich habe selten so gerne Gemeinschaft gehabt, Menschen kennengelernt und mich ausgetauscht. Fast alle war offen, wertschätzend und großzügig miteinander. Allgemein herrschte – und das möchte ich hier besonders betonen – eine Kultur der Wertschätzung. Jede Mahlzeit wurde vom Catering gestellt. Getränke waren gratis (und zwar die hochwertigen Marken). Es gab wirklich alles, was man brauchte, um sich wohl zu fühlen und ich liebe diese Art der Gastfreundschaft und Kultur. Aber auch DAS ist hier noch nicht der Hauptpunkt.

Am letzten Tag präsentierten die Projektgruppen auf der Bühne ihre Ideen und Konzepte. Machten Vorschläge zur Umsetzung und vernetzten sich mit anderen, die ähnliches tun oder vorhaben. Als beinahe letzte Gruppe kamen 5 Männer und Frauen auf die Bühne, die beinahe die komplette Projektgruppenzeit im Gebet verbracht hatten. Sie erzählte, wie wichtig es ist, zu beten und zu hören. Sie ermahnten, dass wir das nicht in all unserem Aktionismus vergessen und dann.. dann kam Cosima. Ich habe keinerlei Ahnung woher sie kommt, wer sie ist oder sonst irgendetwas über sie, ABER, das, was sie gesagt, war einer der wichtigsten Sätze, den ich in den letzten Wochen gehört habe – ich paraphrasiere: "Ich hatte eigentlich überhaupt keinen Bock auf Beten, aber ich konnte einfach nicht anders, als dorthin zu gehen. Und dann hat Gott gesprochen und gewirkt und manchmal müssen wir einfach auch Dinge machen, auf die wir keinen Bock haben!"

Und genau dazu möchte ich mich diese Woche neu herausfordern und mich an meine Ursprünge erinnern.
Wir alle (und da bin ich mittlerweile anscheinend nicht mehr anders) leben gerne bequem und sicher. Wir mögen alle das Gemocht-werden und wir mögen die Harmonie. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich da gar nicht mehr großartig anders.. Wie viele Konflikte vermeide ich, weil ich das, was Gott mir auf's Herz legt, nicht erwähnen möchte, weil es entweder anstrengend wird oder ich jemandem damit auf die Füße trete. Ich behalte es für mich. Stimme Dingen und Aussagen durch mein Schweigen zu, denen ich noch vor Monaten widersprochen hätte. Und dabei ist genau das eine meiner größten Gaben: Gottes Willen und seinen Weg erkennen. Meistens für mich, aber manchmal auch für andere. Und das möchte ich kultivieren. Ich möchte nicht bequem und angepasst sein. Weder angepasst an die christliche Wohlfühlblase, noch an die weltliche Egomanie. Ich danke Cosima, für ihre Wahrheit und Erinnerung daran: Es geht nicht nach 'Bock', sondern nach Gott.