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28. März 2018

#58
Abstand
gewinnen

von Sascha Gonzales

28. März 2018
Lesedauer: 3 Minuten
Von Sascha Gonzales


Abstand gewinnen

Ich hatte euch letzte Woche davon erzählt, wie sehr es mir gerade hilft Abstand von gewissen Dingen, Menschen und Aufgaben zu gewinnen. Nicht, um sie für immer abzulegen oder aufzugeben, nein, sondern um ihren Wert besser einordnen zu können. Versteht ihr woher dieser Gedanke kommt?
Es gibt so viele Sachen in meinem Leben, die ich einfach so mache, ohne mir wirklich im Klaren darüber zu sein, was sie mir bedeuten. Wie oft besitze ich etwas, oder habe eine Person in meinem Umfeld, die einfach so da ist. In greifbarer Nähe. Und wenn sie dann in eine andere Stadt zieht, oder dieser Gegenstand kaputt geht, dann merke ich, wie sie oder es mir fehlt.

Das erste Mal habe ich das, glaube ich, nach dem Tod meines Opas gemerkt. Das war mit 14, glaube ich. Mir war während seiner Krankheit nicht klar, wie viel mir an ihm lag. Also, mir war schon klar, dass ich ihn sehr gern hatte und unfassbar viel Zeit mit ihm verbrachte – allerdings wusste ich nicht, dass es mich so treffen würde. Er war für mich halt immer da.
Einige Jahre später, mit 16, hatte ich meine erste, richtige Freundin. Doch ich wusste überhaupt nicht, wie viel sie mir wert war und so trennte ich mich aus völlig belanglosen Gründen von ihr und aufgrund meiner eigenen Unsicherheiten. Erst im Nachhinein wurde mir dann spürbar bewusst, dass ich sie echt gern hatte.

Aber genug der alten Geschichten. Ihr habt meinen Punkt, denke ich, schon lange verstanden. Ich bin in Vielem involviert und nehme vieles davon als selbstverständlich hin – doch damit tue ich mir und, vor allem, der Sache (oder der Person) wirklich unrecht.
Ich hoffe, mit der Sondierung und dem Abstand kann ich ein klareres Bild von diesen Dingen gewinnen und Erkenntnis darüber bekommen, was für mich noch dran ist und was nicht. So, wie ich letztes Jahr die Bedeutung von Musik für mich ganz neu verstehen durfte, weil ich es im Autopilot machte und dabei den Kern der Musik völlig aus den Augen verlor – und damit auch die Freude daran.

Ich bete, dass ihr alle großartige Ostern erleben dürft und euch die Bedeutung dieser Zeit nochmal neu bewusst wird. Bis nächste Woche.