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25. Oktober 2018

#4
Der ehrliche Thomas

von Maximilian Stopp

25. Oktober 2018
Lesedauer: 5 Minuten
Von Maximilian Stopp


Der ehrliche Thomas

Ich begrüße dich und freue mich, dass du mit dabei bist. Ich schreib das nicht nur, sondern meine es so: Ich freue mich! Warum schreibe ich das hier: Ich möchte dein Leben verändern. Wenn du darauf keine Lust hast, dann spar dir die Zeit. Für alle anderen: Los geht's!

Wenn man 100 Leute auf der Straße fragt: "Nennen Sie eine biblische Person, die stark mit Zweifeln zu kämpfen hatte.", dann glaube ich, dass Thomas die Liste der genannten Namen anführen würde. In dieser Kolumne möchte ich dir erzählen, warum mir dieser Typ so sympathisch und so vertraut ist. Es gibt in der Bibel drei zentrale Stellen, an denen uns Thomas begegnet. Schauen wir uns das mal genauer an.

Thomas begegnet uns zuerst in Johannes 11. Da spricht Thomas:

Ja, lasst uns mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben. – Johannes 11, 16 (HFA)

In den Versen vorher bekommen wir auch eine Erklärung für seinen Pessimismus. Die Juden hatten versucht Jesus zu steinigen.
Krasse Aussage also. Besonders ermutigend ist das nicht gerade, aber eine Sache kann man Thomas nicht absprechen: Leidenschaft. Er ist bereit Jesus – trotz seiner Angst – nachzufolgen und sein Leben für ihn zu riskieren. In unserem Land gibt es Religionsfreiheit und ich darf meinen Glauben öffentlich leben. Ein Geschenk und eine riesige Verantwortung. Es ist auch absolut absurd darüber zu reden, ob wir auch bereit wären für Jesus zu sterben. Ich glaube, wir sollten damit beginnen für unsere Überzeugungen und unseren Glauben einzustehen und das beginnt oftmals in der Uni, am Arbeitsplatz oder im Fußballverein.

Wir treffen Thomas dann in Kapitel 14 wieder. Jesus berichtet seinen Jüngern von den Wohnungen, die er im Himmel für seine Nachfolger vorbereitet. Jesus sagt, dass sie den Weg dorthin, wo er hingeht, kennen. Da widerspricht ihm Thomas und sagt:

Wir wissen doch nicht einmal, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg dorthin kennen? – Johannes 14,5 (NGÜ)

Der traut sich was. Jesus zu widersprechen. Unerhört. Oder einfach nur ehrlich? Thomas kennt den Weg nicht und er fragt nach! Sofort denke ich dabei an die Vorlesungen in technischer Mechanik. Der Dozent, der es wirklich verstanden hat, erklärt und rechnet vor. Keiner hat auch nur ansatzweise was kapiert, aber keiner traut sich eine Frage zu stellen. Resultat: "Vier gewinnt". Darf auch mal sein, aber hier bei Jesus geht es ja nicht um eine Uniprüfung, sondern um wirklich existenzielle Dinge. Thomas traut sich und dank ihm, haben wir eine Antwort, die wir gefühlt in jedem dritten Gottesdienst hören. "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Danke lieber Thomas. Lasst uns Fragen stellen, ehrlich zueinander sein, widersprechen und uns nicht zufriedengeben mit frommen Antworten. Wir sehen aber auch, wie Jesus hier reagiert. Er sagt nicht: "Thomas.. also mal ehrlich, hättest du letzten Sonntag mal besser aufgepasst, dann wüsstest du es." Nein, er antwortet liebevoll und klar. In Judas 1, Vers 22 lesen wir: "Erbarmt euch derer, die zweifeln."

In Kapitel 20 findet sich dann die wohl bekannteste Stelle.
Thomas braucht den Beweis. Ich kann das absolut verstehen und es zeigt uns so viel über die Natur des Menschen. Er hat sein altes Leben hinter sich gelassen und ist Jesus gefolgt. Er hat Wunder erlebt, Feste gefeiert, Kranke in Jesu Namen geheilt. Ebenso musste er aber auch miterleben wie Jesus bespuckt, gefoltert und verspottet wurde. Ich schreibe es nochmal: Sein Herr, sein Freund, seine Hoffnung wurde bespuckt, gefoltert und verspottet; wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt und wie ein Verbrecher an ein Kreuz aus Holz genagelt. Jesus war tot.

Alles weg? Alles umsonst? Alles nur ein Hirngespinst? Er war voller Trauer und sicher auch Wut und vor allem hatte er Zweifel. Jesus kennt sie und begegnet ihnen liebevoll. Ich kürze hier mal ab: Thomas wühlt nicht in Jesu Wunden herum; nein: Er glaubt. Wie kraftvoll sind seine Worte: "Mein Herr und mein Gott!". Genau hier möchte ich dir etwas verraten: Meine tiefste Überzeugung ist, dass du eine Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus brauchst und sich nur dadurch dein Leben radikal ändern wird. Es gibt Momente, wo ich wirklich kapiere, dass meine Schuld ihm die Nägel durch die Hände getrieben hat. Das verändert alles.

Als ich in Dresden studiert habe, war mein Leben augenscheinlich eigentlich ganz gut. Dann auf einmal war die Beziehung zu meiner Freundin kaputt und es gab eine Krebsdiagnose in meinem engsten Familienkreis. Meine Welt war ein Trümmerhaufen und Gott war für mich eher abstrakt und keine Option. Nach zwei Wochen ohne Appetit, ohne wirklichen Schlaf und der Erkenntnis, dass ich mein Leben auf Sand gebaut hatte und diese Sturmflut mein vermeintliches Fundament weggespült hatte, gab es so eine Begegnung in meinem Leben. Ich kniete nachts um drei vor meinem Bett und sagte in purer Verzweiflung: "Gott, wenn es dich gibt, dann nimm du das in deine Hand, denn ich bin schwach und bekomme es nicht hin." Für den Wortlaut verbürge ich mich nicht, aber der Inhalt stimmt. Danach bin ich friedlich eingeschlafen. Das erste Mal seit Wochen und seitdem immer. In meinem Kopf waren Chaos, Trauer und tausende Fragen und Wut. Gott hat daraus Hoffnung gemacht. Sein Frieden hat mich überflutet. Verstehst du? Er hat alles neu gemacht und mein Leben verändert. Alle Ehre gebührt ihm allein.

Ich sage nicht, dass ich seit diesem Moment immer schnurgerade auf dem richtigen Weg gewandelt bin. Keineswegs. Wirklich nicht. Aber: Das Ziel steht fest. Ich habe erkannt, dass die Welt mir nichts bieten kann, was vergleichbar ist mit seiner Liebe und Gnade und dass allein Jesus mit seiner Güte und Macht dein und mein Leben radikal verändern kann – und will. Er hat eine andere Definition von einem guten Leben, als die Welt da draußen. Sie ist einfach und er verrät sie dir: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14, 6)

Ich ermutige dich zu einem kurzen, ehrlichen Gebet. Streck dich aus nach dieser Begegnung. Es kann dein Leben verändern.

Nach vier Ausgaben zum Thema 'Zweifel' haben wir jetzt gemeinsam eine andere Richtung eingeschlagen und ich überlege mal, was in zwei Wochen dran ist. Ahoi!