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11. Oktober 2018

#3
Zweifeln erlaubt

von Maximilian Stopp

11. Oktober 2018
Lesedauer: 6 Minuten
Von Maximilian Stopp


Zweifeln erlaubt

Ein herzliches "Moin" und willkommen zur dritten Ausgabe von "Ebbe und Flut".
Ich sitze mit einer fetten Erkältung auf dem Balkon, die Sonne scheint und ich freue mich, dir ein paar Gedanken zum Thema "Zweifeln erlaubt" schreiben zu können.
Zu einer richtigen Erkältung gehört Fieber dazu und ich kenne niemanden, der dabei Freude empfindet. Ebenso ist es mit Zweifeln.
Zweifel sind unangenehme Gäste und niemand öffnet ihnen gern die Tür und lässt sie herein. Das ist meistens auch gar nicht nötig, denn oftmals poltern sie einfach ungefragt und mitunter ziemlich brutal in unser Leben hinein.

Ich hoffe, du bist mit eingestiegen in das Bild und kannst dir vorstellen, wie der Zweifel mit seinen dreckigen Schuhen auf einmal neben dir auf dem Sofa sitzt. Mit den Füßen auf deinem Tisch, lässt er sich dein Bier schmecken und zur Krönung greift er auch noch zur Fernbedienung und beginnt durch das Programm zu zappen.
Ich kenne solche Situationen und daran lässt sich erstmal nichts ändern. Zweifel sind Realität, das hatten wir ja geklärt. Wie nun also umgehen mit den unliebsamen Zweifeln?

Zweifel gibt es seit es uns Menschen gibt und auch in der Bibel begegnen wir zweifelnden Personen. Zugespitzte kann man es wie folgt formulieren: "Die Geschichte des Glaubens ist von Beginn an eine Geschichte des Unglaubens". Adam und Eva zweifeln an Gottes guter Absicht und essen vom Baum der Erkenntnis, das Volk Israel zweifelt an der Eroberung des versprochenen Landes, Petrus – obwohl er einige Schritte auf dem Wasser gehen konnte – zweifelt und beginnt zu sinken und der wohl prominenteste Vertreter, der Apostel Thomas, trägt seit zweitausend Jahren das unrühmliche Attribut "der Ungläubige" mit sich herum. Zu Unrecht wie ich finde. Zu einem späteren Zeitpunkt mehr dazu.
Ich mag diesen Thomas einfach und ich mag Kapitel 20 des Johannesevangeliums, wo Thomas den Höhepunkt des Evangeliums so formuliert: "Mein Herr und mein Gott" und das ganze ohne seine Finger tatsächlich in Jesu Wunden zu legen. Vermag es Caravaggio diesen Augenblick noch so wunderschön auf Leinwand zu malen, er irrt.
Eine weitere Sache finde ich in dem Zusammenhang wichtig. Der Gläubige zweifelt und stellt sich die Frage: "Gibt es diesen Gott wirklich?". Der gleichen bohrenden Frage sehen sich aber auch Atheisten ausgesetzt. Nur eben von der anderen Seite. Man mag vom ehemaligen Papst halten was man will, aber folgendes Zitat unterstreicht diesen Punkt. Bereits 1968 schrieb Joseph Ratzinger: "Wer der Ungewissheit des Glaubens entfliehen will, wird die Ungewissheit des Unglaubens erfahren müssen [..]". Somit gibt es "keine Flucht aus dem Dilemma des Menschseins".

Um noch einmal das Bild der Erkältung zu bemühen: Diese kommt ebenso ungefragt und fast immer unpassend und Fieber ist ein häufiges Symptom. Es ist unangenehm, aber letztlich hilft es meinem Körper, gesund zu werden. Er setzt sich mit den Erregern auseinander und wehrt sich. Den Satz "schwitz dich gesund" kennen vielleicht einige von euch. Tatsächlich. Es hilft.
Gegen manche Krankheitserreger immunisiert sich der Körper gar. Vor den angekündigten Therapievorschlägen steht bekanntlich die Diagnose. Es hat sich etabliert von zwei Arten von Zweifeln zu sprechen. Der "legitime Zweifel" ist ein Symptom einer kritischen Auseinandersetzung mit Glauben. Je nach Charakter stärker (Thomas) oder schwächer (Petrus). Die zweite Art wird – wenig überraschend – oft als "illegitimer Zweifel" beschrieben. In Anlehnung an die zweite Kolumne "Zweifel sind Realität" könnte man eben diese Personen nennen, die sich entschieden haben, nicht zu glauben. Komme was wolle. Ein sehr bezeichnender Begriff dafür – Danke H.P. Royer – ist der "willentliche Unglaube".

Zurück zum Beispiel der Talkshow (Kolumne 2): Man kommt mit seiner Meinung, man geht mit seiner Meinung. Ein ehrliches Überdenken der eigenen Überzeugungen findet nicht statt. Man hat sich dagegen entschieden. Mit solchen Zeitgenossen über Glauben zu "diskutieren" ist Zeitverschwendung. Redet lieber über Fußball oder eure Lieblingsbiersorte, da habt ihr mehr davon. Kümmern wir uns also lieber um meine und deine "legitimen Zweifel".
Die Formulierung "Zweifeln erlaubt" ist unter gewissen Aspekten unsinnig. Ebenso wenig, wie mich die Erkältung gefragt hat, ob es mir gerade reinpasst, sitzt der Zweifel nun einmal ungefragt neben mir auf der Couch. Wie nun also damit umgehen? Es gibt leider viele Christen, die sich für die falschen Optionen entscheiden.
Nummer 1: Scheuklappen auf und durch: Zweifel.. was.. ich? Quatsch! Wie der läuft mit seinen dreckigen Schuhen bei mir durch die Bude? Halb so wild; das wird schon. Mal ehrlich: Sei kein Idiot und mach den Zweifel zu deinem neuen Mitbewohner oder gar zu deinem Freund. Irgendwann hat er die Fernbedienung fest in seiner Gewalt und bestimmt das Programm, das du siehst. Glaub mir: Das willst du nicht wirklich.
Nummer 2: Das Nudelholz: Du suchst das Nudelholz und jagst den Zweifel mit Gewalt und eigener Kraft aus dem Haus. Das wird nicht funktionieren, denn er ist meist hartnäckig und er wird wieder und wieder klopfen. Es nervt, wenn du auf der Couch chillen willst und es klopft unentwegt an der Tür. Glaubst du nicht? Mach mal mit: Poch. Poch. Poch. Poch.. .
Nummer 3: Ehrliche Konfrontation: Setz dich ernsthaft mit deinem Zweifel auseinander. Solang der Zweifel nur das Symptom ist und nicht die Ursache, kann es sehr heilsam sein. Zu einem lebendigen Glauben gehören Zweifel dazu. Jedes Verlassen deiner Komfortzone ist mit Ängsten und Zweifeln verbunden.

Ich komme zum Ende der dritten Kolumne und umreiße nur kurz einige Therapieansätze und komme im nächsten Teil noch einmal ausführlicher darauf zu sprechen.
Wenn du Atheist bist. Wunderbar, dass du das hier liest. Ich habe eine provokante Idee: Lern diesen Jesus kennen. Kauf dir eine Bibel und frag die Christen in deinem Umfeld aus. Lass dich nicht abspeisen mit frommen Floskeln. Aber noch besser: Fang an zu beten. Ich glaube an einen Gott, der sich finden lässt. Das hat er versprochen:

Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich, der HERR. – Jeremia 29, 13-14 (Hoffnung für alle)

Wenn du Christ bist und zweifelst. Herzlichen Glückwunsch. Du hast einen lebendigen Glauben und Zweifel können heilsam sein. Ein Fieber hilft eine Krankheit zu überwinden. Deine Zweifel können helfen ein "krankes" Gottesbild zu heilen. Was? Mein Gottesbild ist krank? Ja. Vielleicht.

Ich danke dir, dass du durchgehalten hast, freue mich auf dein Feedback und anregende Gespräche. In zwei Wochen geht es dann im dritten Teil zum Thema Zweifel um eben dein Gottesbild und um Thomas. Ich werde dir auch von meinen unliebsamen Gästen erzählen. Nur so viel: Dieser "ungläubige" Thomas stirbt in Indien als Märtyrer für Jesus und verbreitet vorher das Evangelium an tausende Menschen. Ziemlich krass für einen Zweifler. Sei gesegnet und ahoi.