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23. Januar 2020

#27
Trauermücken, Wurzeln und Wir

von Raphael & Ramona Bellmann

23. Januar 2020
Lesedauer: 4 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Trauermücken, Wurzeln und Wir

Ich weiß nicht, wer sie kennt. Ich weiß erst seit Kurzem, wer sie sind. Trauermücken. Das sind kleine Mücken, die sehen eigentlich aus wie Obstfliegen, nur schwarz und ein bisschen wie Minifalter. Jedenfalls siedeln sie sich gern an Blumentöpfen an und legen ihre Eier gern in die Blumenerde. Die Larven knabbern dann an frischen und kleinen Wurzeln und irgendwann befallen sie sogar den Stamm der Pflanze. Die Folge ist, dass die Pflanze Schaden nimmt.
Um das zu verhindern, muss man sich mit den Trauermücken beschäftigen und ein wirksames Mittel finden, was die Pflanze nicht auch noch kaputt macht. Aber was soll denn jetzt dieser Vortrag über Probleme im Blumentopf?

Mir kam der Gedanke, dass unser Glaube ja auch gepflegt werden muss. Ähnlich wie eine Pflanze. Eine Pflanze muss Nährstoffe bekommen, sie muss gegossen werden, sie braucht bestimmtes Licht, Wärme etc. Der Glaube braucht auch Nahrung. Doch der Glaube ist nicht nur irgendeine Pflanze. Für mich ist er das Fundament meines Lebens. Der Glaube an den lebendigen Gott, durch den ich lebe. Ich bin verwurzelt in Ihm. Ich bin sozusagen eine Pflanze, die im Glauben und durch den Glauben verwurzelt ist.
Das klingt doch schön und gut. Aber was ist, wenn die Trauermücken kommen, die meine Wurzel kaputtknabbern wollen?

Im übertragenden Sinne können solche Trauermücken zum Beispiel Zweifel sein. Zweifel, ob Gott überhaupt existiert, und wenn ja, ob er wirklich der ist, für den ihn alle halten? Es können aber auch ganz andere Dinge sein, die Zweifel auslösen. Zweifel, die an unsere Wurzeln gehen. Kennst du solche Zweifel? Was sind deine Trauermücken?

Es kann sein, dass sich manch einer nicht erlaubt zu zweifeln. Oder dass man bestimmte Gedanken ignoriert. Doch das kann dazu führen, dass die eigene Wurzel, ohne dass man es merkt, langsam kaputt geht. Zweifel sind normal, man muss sich dann aber auch mit ihnen beschäftigen.
Sogar im Kreis der Jünger Jesu gab es einen, der viel gezweifelt hat, der hieß Thomas. Einmal erschien Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern, als Thomas nicht dabei war. Als die Jünger es Thomas erzählten, wollte er es ihnen nicht glauben, bevor er nicht die Wunden von Jesus berührt hat. Dann passierte folgendes:

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. – Johannes 20, 26-29 (Einheitsübersetzung)

Thomas hat seine Zweifel zugegeben und Jesus ist auf seine Zweifel eingegangen. Das war kein Problem. Zweifeln ist ok. Aber ich möchte dich dazu ermutigen, dich mit Zweifeln zu beschäftigen. Ignoriere sie nicht. Du kannst sie auch ganz offen mit Gott bereden, und dazu noch mit einem Freund, Seelsorger oder Pastor, wer auch immer dir da in den Sinn kommt.

Es ist wie bei den Trauermücken. Ignoriert man sie, dann machen sie mit der Zeit die Wurzel kaputt und dann geht auch die Pflanze kaputt. Beschäftigt man sich aber mit ihnen und geht das Problem an, dann kann man die Pflanze schützen.
Ich durfte schon erfahren, wie Gott auf meine Zweifel eingegangen ist und mir auf die eine oder andere Weise genau in diesen Zweifeln begegnet ist. Durch die Beschäftigung mit Zweifeln durfte ich ihn noch mehr kennenlernen. Und ich durfte auch von Menschen lernen, die bestimmte 'Trauermückenprobleme' schon hinter sich haben. Also, was auch immer deine Trauermücke ist - ignoriere sie nicht und geh das Problem oder die Zweifel an. Ich bin gespannt, wie Gott dir neu begegnen wird.