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13. Dezember 2018

#5
Gedankenteilung

von Raphael Bellmann

13. Dezember 2018
Lesedauer: 5 Minuten
Von Raphael & Ramona Bellmann


Gedankenteilung

Letztens bin ich mal wieder Auto gefahren und wollte Musik hören. Also habe ich mir Musik angemacht. Beim Durchsehen der Bandliste ist mir eine Band aufgefallen, die ich schon sehr lang nicht mehr gehört habe, und zwar "Fireflight". Aber ich hatte keine Lust auf die Band, bin also weiter an den Anfang der Liste gegangen.
Jedenfalls habe ich andere Musik gehört und während ich fuhr, war es auf einmal, als ob Gott mir sein Herz für die Menschen zeigen würde, an denen ich vorbeigefahren bin. Ich habe eine Liebe für diese Menschen gespürt, aber auch eine große Verzweiflung und Traurigkeit, dass so viele Gott nicht kennen, obwohl Gott sie so sehr liebt und eine Beziehung mit ihnen haben möchte.
Nach diesem emotionalen Moment bin ich wieder in etwas rationalere Gedankengänge gekommen, und habe über die Gesellschaft nachgedacht und über Christen, und über geistliche Probleme und deren Ursachen, aber alles komplett rational und theologisch. Als ich so wortwörtlich über Gott und die Welt nachdachte, hatte ich Lust auf andere Musik. Ich habe in der Liste zwar wieder die Band "Fireflight" gesehen, wollte sie nicht hören, aber ich wollte plötzlich die Band hören, die davor kommt. Als ich angefangen habe, das Album zu hören, wollte ich nur das letzte Lied hören. Danach kam dann die Band "Fireflight" und ich habe die Musik irgendwie einfach weiterlaufen lassen.
Als ich die Lieder hörte (es ist eine christliche Band), fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass ich ja über Gott und die Welt nachdenke, und alles analysiere, aber dass ich nicht wirklich 'mit' Gott über die Welt nachdenke und alles aus seinen Augen heraus betrachte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Gott mich am Anfang der Autofahrt auf eine Fahrt hin zu ihm mitgenommen hat, schließlich war ich ja eine längere Zeit im Auto mit ihm 'eingesperrt'. Also nutzte er die Zeit, um mir erstmal wieder sein Herz für die Menschen zu zeigen. Dann hörte ich plötzlich eine Band, die ich eigentlich nicht hören wollte, und es wurde ziemlich prägend, als es in einem Lied darum ging, dass Gott zu jemandem durch den ganzen Lärm hindurch gesprochen hat, und dass die Person sich nicht mehr gegen Gott wehren konnte und sie eingesehen hat, dass sie so lang irgendwie getrennt von ihm gelebt hat.

Das nächste Lied hieß dann "The love we had before". Da ging es um die Frage, warum zwei Parteien nicht mehr mit einander kommuniziert haben, warum sie sich auseinandergelebt haben und da war die Frage, wo die Liebe ist, die mal da war. Und da war es auf einmal, als ob Gott mich fragt, wo die Liebe ist, die wir mal hatten. Als ob er mich darauf aufmerksam machte, dass ich zwar sehr viel über ihn nachdenke, aber dass ich nicht mehr wirklich oft mit ihm kommuniziert habe und ganz persönlich Zeit mit ihm verbracht habe, in der ich einfach nur Sein und mich in seine liebevollen Arme begeben konnte. Als ob die Frage im Raum schwebte, wo die Liebe ist, die mal da war, wo die Kommunikation geblieben ist.
Und es stimmt. In meinem ganzen Nachdenken und Erforschen und Analysieren von Dingen, die zwar alle um Gott herum kreisen und auch direkt um ihn gehen, habe ich oft vergessen, ihn nah an mich heranzulassen und all das, was in mir ist, mit ihm zu teilen. Diese Erkenntnis war mir zwar nicht neu, weil ich weiß, dass ich mich öfter mal in meinen Gedanken verliere, aber es war auf einmal so präsent.

Das nächste Lied hieß "So help me God". Einfach nur dieser Titel drückte das aus, was ich fühlte. Ich kann das nicht allein. Es kostet mich Überwindung, mich einfach so hinzugeben, mich verletzlich zu machen. Und ganz persönlich Zeit mit Gott zu verbringen, kann genau das Gefühl auslösen, sich nicht mehr verstecken zu können. Es ist natürlich witzig, dass man denkt, man könnte sich vor Gott verstecken, denn das klappt sowieso nicht. Aber man kann ihm einfach nicht zuhören, wenn man nicht will.
Auch da reagieren wir ähnlich wie Meerschweinchen, die denken, sie könnten sich vor einem verstecken. Wir sehen natürlich, wohin sie gelaufen sind und wir wissen, wo sie sich verstecken. Manchmal kann man auch das Hinterteil noch sehen. Gott weiß auch, wo ich mich manchmal 'verstecke'.

HERR, du durchschaust mich, du kennst mich bis auf den Grund. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne.
Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; jeder Schritt, den ich mache, ist dir bekannt.
Noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt, hast du, HERR, es schon gehört.
Von allen Seiten umgibst du mich, ich bin ganz in deiner Hand. Dass du mich so durch und durch kennst, das übersteigt meinen Verstand; es ist mir zu hoch, ich kann es nicht fassen. Wohin kann ich gehen, um dir zu entrinnen, wohin fliehen, damit du mich nicht siehst?
Steige ich hinauf in den Himmel – du bist da.
Verstecke ich mich in der Totenwelt – dort bist du auch. Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt: auch dort wird deine Hand nach mir greifen, auch dort lässt du mich nicht los.
Sage ich: »Finsternis soll mich bedecken, rings um mich werde es Nacht«, so hilft mir das nichts; denn auch die Finsternis ist für dich nicht dunkel und die Nacht ist so hell wie der Tag. – Psalm 139, 1-12 (Gute Nachricht Bibel)

Das letzte Lied hieß "Wrapped in your arms". Darin ging es unter anderem auch um den Versuch allein zu laufen und um die Erkenntnis, dass es keinen sichereren Ort gibt als in Gottes Armen, selbst wenn ich versuche einen anderen Ort zu finden, denn in Gottes Armen bin ich zu Hause.

Ich muss sagen, dass Gott bei dieser Autofahrt schon ziemlich auf die emotionale Tour gekommen ist. Das Schöne war aber, dass in dem "Wachrüttler" von Gott kein Gefühl war, als ob er mir Vorwürfe machen, oder er mir sagen wollte, wie enttäuscht er ist. Es war irgendwie so, als wenn er mich einfach höchst liebevoll zu sich gezogen hat, um mir klar zu machen, dass er mich viel näher bei sich haben möchte. Und dass das auch am besten für mich ist. Er braucht mich ja nicht, aber ich brauche ihn und er will mich bei sich haben. Und er weiß, was das Beste für mich ist, nämlich er selbst. Er kennt mich, er weiß, wo ich mich gerne mal verstecke, wenn ich nicht aus mir herauskommen möchte, aber er weiß auch, dass es mir oft einfach passiert, dass ich ein bisschen die Orientierung verliere und mich in theoretischen Sachen verrenne. Ich bin ja immerhin wie ein Schaf. Aber er ist mein guter Hirte, der mich immer wieder zu sich holt, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Versteht mich nicht falsch, es ist natürlich gut, wenn man viel nachdenkt und sich Wissen aneignet, auch über Gott und theologische Sachen. Doch man sollte nie die Fähigkeit verlieren, Gott einfach nur zu bewundern und zu bestaunen, ohne ihn gleich analysieren zu wollen. Die Analyse von dem, was er gesagt hat und was in der Bibel steht, ist natürlich sehr wichtig. Doch sollte alles am Ende dazu führen, dass man sich voller Hingabe und komplett in seine Nähe begibt und man auch die theoretischen Sachen mit ihm bespricht und sie mit ihm zusammen analysiert.

Vielleicht studierst du ja auch Theologie oder etwas anderes, oder du bist in einem Umfeld, das Gott gegenüber sehr kritisch ist und dich mit Argumenten überhäuft, warum das, was du glaubst, eigentlich nicht sein kann. Oder was, wo und wie auch immer es bei dir aussieht. Ich möchte dich ermutigen, dich nicht in deinen Gedanken zu verlieren und dich innerlich von Gott zu entfernen. Wenn dich Gedanken in Zweifel treiben, dann teile sie mit Gott. Sprich mit ihm darüber. Wenn du etwas herausgefunden hast, was du voll toll findest, vielleicht ja sogar über Gott, dann sag ihm das und teile diese Freude mit ihm. Wir können ja denken, was wir wollen - solange wir es mit Gott teilen. Gott weiß zwar schon alles, aber er möchte das, was wir erleben, mit uns zusammen erleben.

Ich möchte mehr darauf achten, alles mit Gott zu teilen und ihm alles mitzuteilen. Dazu lade ich dich ein, falls es dir manchmal ähnlich geht. Falls dir der Gedanke fremd ist, wirklich alles, was du denkst, mit Gott zu teilen, dann lade ich dich ein, es einfach mal zu versuchen.

Sei gesegnet und lieben Gruß,
Raphael